Rohrkolben – Klimaschutz durch Schilfproduktion auf nassen Böden zur stofflichen Nutzung als Bau- und Dämmstoff!

Klimatologische Bedeutung

Es gibt weltweit viele organische Böden (Moore). Diese Flächen verursachen jährlich fast zwei Milliarden Tonnen CO2. Allein in Deutschland verursachen 750.000 Hektar Niedermoorböden jährlich 45 Millionen Tonnen CO2! Würden diese Niedermoorböden mit Rohrkolben und Schilfrohr besiedelt, könnte man diese Treibhausgasquelle vermeiden. Darüber hinaus gibt es mit steigender Tendenz weltweit viele von Wasser gefährdete Küsten- und Flusslandschaften, die mit Schilfkulturen Klima und Biodiversität fördern.

Schilfkulturen sind ein für Vögel und Insekten besonders wertvoller Biotop.

Mit jedem Hektar Schilf als Nasskultur (Paludikultur)vermeiden wir jährlich etwa 25 Tonnen CO2, und gewinnen einen wertvollen nachwachsenden Rohstoff für die Bau- und Dämmstoffindustrie.

Doch die nationale Politikstrategie „Bioökonomie“ hat Schilf als nachwachsenden Rohstoff ausgeklammert. Damit ignoriert man die große Chance auf Treibhausgasreduzierung, die Entwicklung eines einzigartigen heimischen Naturbaustoffs für die Bau- und Dämmstoffindustrie und eine nachhaltige Bewirtschaftung und Einnahmequelle in strukturschwachen ländlichen Regionen.

Schilfkulturen auf nassen Moorflächen (Paludikultur) zur stofflichen Nutzung

Schilfrohr (Phragmites australis) und Rohrkolben (Typha angustifolia, -latifolia) eignen sich aufgrund ihrer guten bauphysikalischen Eigenschaften sehr gut zur stofflichen Verwertung als Bau- und Dämmstoffmaterial. Mit der Ansiedlung von Schilfkulturen auf wiedervernässten Moorflächen bietet sich eine interessante wirtschaftliche Perspektive. Bei einem jährlichen Ertrag von etwa 20 bis 30 Tonnen Trockenmasse liegt die Wertschöpfung deutlich über den Erträgen von vergleichbaren Grünlandbetrieben. Da es sich hier um eine arbeitsextensive Langzeitkultur handelt, beschränken sich die Arbeiten nach Anlage der Polder und Pflanzung in den Folgejahren im Wesentlichen auf die Ernte. In den Wintermonaten wird das Schilf über dem Boden geschnitten, in Bündeln geerntet und zur Weiterverarbeitung trocken gelagert. Die Ernte in den Wintermonaten bedeutet auch eine weitgehende Rücksichtnahme auf den Artenschutz. Während der Wachstumsperiode von Frühjahr bis Herbst bieten die Schilfflächen der Fauna, wie zahlreichen Insekten und Vögeln, Lebensraum.

Ein weiterer ökologischer Nutzen ergibt sich aus der Reinigung belasteter Gewässer, da Schilf eine hohe Filter- und Nährstoffaufnahme besitzt.

Schilfrohr und Rohrkolben als nachwachsende Rohstoffressource

Schilfrohr ist ein seit Jahrhunderten bewährter Naturbaustoff. Neben den bereits eingeführten Produkten als Reet und Schilf in Matten und Platten geht es um neue innovative Produkte für die Bau- und Dämmstoffindustrie.

Die Entwicklung einer neuartigen Wärmedämm-Sandwichplatte für die Innendämmung soll eine umweltfreundliche und möglichst kostengünstige Alternative zu EPS-Dämmstoffen sein, die immer noch 80% des Marktes abdecken. Allein bei der Innendämmung besteht ein jährliches Potential von etwa 286.000 m³ Dämmstoff.

Weitere Entwicklungsmöglichkeiten bestehen in der Entwicklung von Außendämmplatten, der Einblasdämmung sowie flexibler Dämm- und Trockenbauplatten als besonders leichte Wandelemente.

Bei einem Marktanteil von 10% des jährlichen Volumens an Dämmstoffen aus heimischen Schilf, könnten 35.000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Moorflächen wieder wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden, und mit 1.575.000 Tonnen weniger Treibhausgas einen nachhaltigen Klimabeitrag leisten.

 
Auszug aus dem Grußwort von Hubert Weinzierl zum DBU Projekt „Neuer Baustoff für umweltfreundliche und bautechnische Sanierung in der Denkmalpflege“:

„Der Rohrkolben-Bau- und Dämmstoff ist einfach herzustellen. Die jährliche Ernte von Rohrkolbenbeständen ist eine Landschaftspflegemaßnahme, die Freiflächen und Strukturvielfalt schafft und die biologische Vielfalt begünstigt. Das Material ist vollständig kompostierbar und rückführbar in den Stoffkreislauf.

Rohrkolbenanbau ist aktiver Umweltschutz. Er dient der Gewässerreinigung, schafft Wasserententionsflächen, erlaubt die Wiedervernässung drainierter Niedermoorböden und bindet im hohen Maße Kohlendioxid. Er wirkt gegen Erosion und ermöglicht eine nachhaltige Bewirtschaftung. Er sichert Landwirten dauerhaft hohe Erträge eines nachwachsenden Rohstoffes mit noch dazu einem 4- bis 5-fachen Flächenertrag von Holz in Wäldern.

Der Kosmopolit Rohrkolben eröffnet so weltweit im Bereich der Bau- und Dämmstoffe den Einstieg in eine Kreislaufwirtschaft im Sinne eines biologischen Cradle-toCradle-Wirtschaftens. Seine landwirtschaftliche Nutzung fördert durch die Wiedervernässung von Niedermoorböden den Klimaschutz genauso wie der resultierende Bau- und Dämmstoff die Raumklimatisierung fördert und klimaschädliche Gebäudeenergie einspart.“